11.06.2026
Fleischkonsum in Belgien stabilisiert sich auf hohem Niveau

Foto/Grafik: VLAM
Der Pro-Kopf-Verbrauch von Geflügel ist in Belgien in den vergangenen knapp zehn Jahren stark angestiegen.
Der Fleischkonsum in den belgischen Privathaushalten zeigt sich krisenfest und pendelt sich nach leichten Schwankungen der Vorjahre auf einem stabilen Niveau ein.
Fleisch bleibt damit ein fester und unangefochtener Bestandteil der täglichen Ernährung der Belgier, wobei gut drei Viertel des gesamten Konsums in den eigenen vier Wänden stattfinden. Während teureres Rindfleisch an Boden verliert, profitiert vor allem Geflügel vom Trend zu bewussteren und preisgünstigeren Alternativen.
Marktstabilität und Konsumgewohnheiten
Im Jahr 2025 lag der Pro-Kopf-Verzehr von frischem und tiefgekühltem Fleisch sowie Geflügel in belgischen Privathaushalten bei 28,4 kg. Damit hat sich der Markt nach einer moderaten Zunahme zwischen 2022 und 2024 weitgehend auf dem Vorjahresniveau stabilisiert. Rot- und Weißfleisch machen mit einem Volumenanteil von 83 Prozent weiterhin den Löwenanteil des Gesamtmarktes (einschließlich Fisch und vegetarischer Alternativen) aus.
Die vom Marktforschungsinstitut YouGov im Auftrag von Flanderns Agrar-Marketing-Büro (VLAM) erhobenen Kaufdaten von 6.000 Haushalten zeigen die tiefe Verankerung: Bei 99 Prozent der Haushalte landet Fleisch mindestens einmal pro Jahr im Einkaufskorb – im Schnitt wird es 58-mal eingekauft. Trotz einer Preissteigerung um 4 Prozent auf durchschnittlich 11,84 Euro pro Kilogramm stieg der Gesamtumsatz im privaten Sektor auf 3,9 Milliarden Euro. Der VLAM Consumption Tracker von iVox bestätigt zudem, dass 73 Prozent der Verzehrmomente zu Hause stattfinden. Besonders Schweinefleisch (80 Prozent) und Geflügel (79 Prozent) sind typische Inhome-Produkte, während Rind- und Kalbfleisch deutlich häufiger in der Gastronomie gegessen werden.
Geflügel boomt, Rindfleisch leidet unter hohen Preisen
Innerhalb des Fleischsegments verschieben sich die Marktanteile spürbar:
Geflügel ist mit 33 Prozent Volumenanteil der wichtigste Wachstumstreiber. Der Pro-Kopf-Verzehr stieg 2025 um 4 Prozent auf 9,4 kg (Umsatz: 1,06 Milliarden Euro). Langfristig wuchs der Anteil seit 2016 von 27 auf 33 Prozent.
Schweinefleisch erholte sich leicht um 1 Prozent auf 6 kg pro Kopf (Umsatz: 750 Millionen Euro) und profitiert tendenziell von inflationären Phasen.
Rindfleisch verzeichnete dagegen einen deutlichen Rückgang um 8 Prozent auf 4,1 kg pro Kopf. Hauptgrund dürfte ein drastischer Preisanstieg von 14 Prozent sein. Der Umsatz stieg preisbedingt dennoch um 5 Prozent auf 838 Millionen Euro.
Kalbfleisch sank um 12 Prozent auf rund 400 g pro Kopf, während die Preise um 11 Prozent anzogen.
Gemischtes Fleisch blieb mit 6,1 kg pro Kopf (–1 Prozent) nahezu stabil.
Convenience-Trend und verarbeitete Produkte
Knapp zwei Drittel der eingekauften Mengen entfallen auf verarbeitete Produkte wie Hackfleisch, Wurst sowie panierte oder marinierte Erzeugnisse. Besonders Hackfleisch verzeichnet ein langfristiges Wachstum: Der Pro-Kopf-Verzehr stieg seit 2016 von 3,4 kg auf 4,5 kg im Jahr 2025. Bei unverarbeitetem Fleisch dominierten zwar weiterhin größere Teilstücke (Steaks, Koteletts), langfristig ist jedoch eine Tendenz zu kleineren Zuschnitten (Geschnetzeltes) erkennbar.
Zusätzlich gewinnen Fleischzubereitungen (1,7 kg pro Kopf) und fleischhaltige Fertiggerichte (4,0 kg pro Kopf) seit Jahren an Bedeutung. Der Konsum von Wurstwaren stagnierte 2025 bei 10,2 kg pro Kopf, wobei Kochschinken (20 Prozent) und Rohschinken (18 Prozent) führen, Geflügelaufschnitt jedoch mit 14 Prozent Marktanteil die stärksten Zuwächse verbucht.
Fleischalternativen im Minus, Hülsenfrüchte legen zu
Ein überraschender Trend zeigt sich bei den Proteinalternativen: Der Privatverzehr von pflanzlichen Fleischersatzprodukten (wie Seitan oder Veggie-Burgern) brach 2025 um 9 Prozent auf 0,5 kg pro Kopf ein. Sowohl die Käuferreichweite (von 36 auf 33 Prozent) als auch die Kauffrequenz gingen zurück. Im Gegensatz dazu erlebten eiweißreiche Hülsenfrüchte (Bohnen, Kichererbsen, Linsen) einen Boom und legten um 9 Prozent auf 1 kg pro Kopf zu. Bereits 62 Prozent der Haushalte kauften diese Produkte mindestens einmal im Jahr.
Das Segment des „hybriden Fleischs“ (Mischprodukte aus Fleisch und Gemüse) bleibt mit einer Käuferreichweite von 4 Prozent eine kleine Nische. Zwar bekunden 26 Prozent der Belgier theoretisches Interesse, doch stehen dem in der Praxis Vorbehalte bezüglich des Geschmacks, tradierte Essgewohnheiten sowie der hohe Verarbeitungsgrad im Weg.
Hard-Discounter auf dem Vormarsch
Der Lebensmitteleinzelhandel bleibt der Hauptbeschaffungsweg. Große Supermärkte sind mit 47,4 Prozent Marktanteil weiterhin führend, verlieren jedoch langfristig an Boden. Profitieren können die Hard-Discounter (Aldi, Lidl), deren Volumenanteil von 15,8 Prozent (2016) auf 21,7 Prozent (2025) kletterte – insbesondere bei Geflügel und Schweinefleisch. Fleischerfachgeschäfte behaupten sich stabil bei 14,6 Prozent und punkten vor allem bei Rind- und Kalbfleisch.
Einstellungen der Verbraucher
Die Grundhaltung der Belgier zu Fleisch bleibt mehrheitlich positiv; nur rund 10 Prozent äußern sich negativ. Geschmack, Gewohnheit und Bequemlichkeit sind die primären Konsumtreiber. Dennoch wird der Konsum zunehmend kritischer hinsichtlich Gesundheit, Umwelt und Tierwohl hinterfragt, während in der Praxis vor allem die Preisentwicklung das Kaufverhalten steuert.